ein Resümee unserer Bestrebungen

Warum bei uns nichts passiert ist.
Jetzt gibt es uns bereits eine ganze Weile. Das zweijährige Jubiläum von SAL ist im September sang- und klanglos an uns vorbei gegangen. Über die zwei Jahre haben wir viele viele Stunden beisammen gesessen, diskutiert und gelacht und uns die Haare gerauft. Zwei Jahre, in denen wir fest vorhatten den Raum des bisherigen Kyosk/Interym zu übernehmen, als kleinen Stadtteiltreff neu zu beleben und mit unseren Ideen zu füllen. Eine ganz schön lange Zeit und zuletzt haben wir uns sogar selber angefangen zu fragen, was wir überhaupt gemacht haben die ganze Zeit.
Erst vor kurzem – nach zwei Jahren Gesprächen – haben wir schlussendlich eine offizielle Absage von der Vermieterin Stadtbau für unser vorgestelltes Nutzungskonzept erhalten. Das kotzt ganz schön an, weil uns von der Stadtbau die ganze Zeit Hoffnungen gemacht wurden. Immer wieder wurden wir mit neuen Aufgaben von den Stadtbaugesprächen heimgeschickt, um dann wieder mit erledigter Arbeit zurück zu kommen und neue zu erhalten. Das ging soweit, bis zuletzt keine Aufgaben mehr verteilt wurden, weil es einfach nichts mehr gab, was man noch hätte machen können. Sogar das starre Amt für öffentliche Ordnung hatte zuletzt angekündigt unserem Konzept mit einem Bescheid zuzustimmen.
Und dann gibt es einfach so nebenbei eine Absage. Ein Satz, nicht mehr. Das geht nicht.
Aber kurz von vorne.
Nach der Gründung im September 2014, waren wir die ersten Wochen und Monate mit all den Formalia beschäftigt, die eine Vereinsgründung erfordert. Vor allem mit der Satzung und dem Selbstverständnis-Text. Es sollte ein eingetragener Verein werden, dessen Gemeinnützungkeit belegt und der beim Finanzamt erfasst und abgehakt ist. Alle Skepsis von Stadt und Vermieter gegenüber dem Projekt sollte durch bereitwillig gebotener Transparenz von Anfang an ausgeräumt werden.
Nachdem der Verein sich und sein Interesse mit einem ersten Schreiben an die Stadtbau vorstellte und selbige daraufhin im Januar 2015 zu einem Besichtigungstermin der Räume anrückte, fand Ende April 2015 ein erstes Gespräch mit Vertretern von Stadtbau, SAL und auch Kyosk.org statt. Die erste Reaktion auf unsere Vorstellung war gut und es schien, als würde eine zeitige Übernahme im Interesse aller Beteiligten liegen.
Als Bedingung wurde uns aufgetragen ein Nutzungskonzept für den Raum zu erstellen, in dem z.B. die Fragen geklärt wurden, wie und durch wen die Räume genutzt werden, wie das ganze finanziert wird, Öffnungszeiten und wie es mit Alkoholkonsum und möglichem Verkauf von Gütern aussehen sollte. Die kritischen Themen waren von Anfang an klar. Der Kyosk hatte ja seit Jahren mit AnwohnerInnenbeschwerden und zuletzt auch erhöhter Beobachtung durch das Amt für öffentliche Ordnung zu tun (das AfÖ ist dennoch jüngst
mit der Gaststättenunterstellung & Untersagung gegen den Kyosk/Interym vor dem VG Freiburg gescheitert). Das ist eigentlich ein anderes Thema, aber bezüglich des Raumes zeigt es sich als trotzdem mit unserem Anliegen verwoben.
Die Formulierung des Nutzungskonzeptes hat den ganzen Sommer gebraucht, und die Stadtbau hat sich mindestens nochmal soviel Zeit genommen es zu kommentieren. Da sich unsere Gruppe aus studierenden und arbeitenden Menschen zusammensetzt, die teils im Sedanviertel wohnen oder ihren Lebensmittelpunkt ebendort haben und auch in verschiedenen anderen Gruppen (Grether, Rasthaus, Flurstück277) tätig sind,
dauerten die internen Gespräche ihre Zeit – was soll’s.
Derweil nutzten wir die Zeit ein bisschen an unserem Bekanntheitsgrad im Viertel zu arbeiten, waren an Gesprächsversuchen wegen 1.Mai im Viertel mit der Stadt sowie an der Gestaltung des Fests beteiligt. Auch bei der Gruppenarbeit zur Neugestaltung des Adlerparks waren einige von uns engagiert. Bei der Gelegenheit setzten wir uns auch mit dem vorhandenen Bürgerverein BÜFO Sedanquartier und Im Grün zusammen.
Kurz: wir machten kleine Schritte, um uns in verschiedenen Bereichen im Viertel einzubringen.
Dabei galt es einen Spagat zu bewältigen, der in der Natur unseres angestrebten Projekts liegt: Auf der einen Seite der Vorschlag einer neuen offenen Gesprächsplattform mit BewohnerInnen des Viertels und der Stadt in der Lokalität der Adlerstraße 2a. Auf der anderen Seite eine Gegenstimme zu vielleicht gerade den Stimmen aus Stadt und Viertel, die sich vornehmlich über Beschwerden Bekanntheit verschaffen, wenn es um eine lebendige Stadtgestaltung geht. Trotz gewisser Widersprüche in dieser Zielsetzung schien uns die Kombination schlüssig wie vielversprechend: Den Raum mit einem neuen Konzept beleben, um sich von dort in’s sozio -kulturelle Stadtleben möglichst bereichernd einzubringen. Wir erwarteten ein vom AföO gesichtetes Nutzungskonzept, unbelastete Verhältnisse zwischen Verantwortlichen und Gestörten (bezüglich Konflikten rund um den bisherigen Kyosk), und unterstellten uns als gemeinnütziger Verein einer öffentlichen Kontrolle und eben gemeinnützigen Zwecken. Was sollte da schiefgehen?
Bei einem nächsten Treffen mit der Stadtbau waren auch VertreterInnen des Amts für öffentliche Ordnung anwesend. Das AföO sollte, so schien es, für einen von der Stadt abgesegneten Rahmen für die Nutzung der Räume sorgen, um zukünftige Beschwerden zu vermeiden. Auch die baulichen Gegebenheiten waren Thema.
Freilich in den letzten 15 Jahren komplett ignoriert, sollte vor einer Neuvermietung die Substanz des Gebäudes abgenommen werden, bauliche Änderungen, sofern diese nötig seien, durch das Bauamt angeordnet werden. Ein befreundetes Architekturbüro übernahm die Vorbereitungen eines Nutzungsänderungsantrags fürs Bauamt, der seither in der Schublade wartet. Gleichzeitig erarbeiteten und überarbeiteten wir praktisch mit
dem AföO zusammen unser Nutzungskonzept, bis es für beide Seiten passend erschien.
Als letzte Auflage empfahl die Stadtbau uns, unser Projekt den Bewohnern des Viertels vorzustellen, unsere Ideen mit ihnen zu besprechen und ihre Ideen und Kritik zu hören.
Dieses Nachbarschaftstreffen fand am 06.03.16 im AWO Café statt, war gut besucht und die Möglichkeit Fragen zu stellen, Ideen, Vorschläge oder Bedenken zu äußern, wurde intensiv genutzt.
Die Stimmung auf der Veranstaltung gegenüber unserem Vorhaben war sehr divers. Von eigenen Ideen für die Räume, Zuspruch und Vertrauensvorschuss, über die Forderung nach einem gänzlichen Alkoholverbot bis hin zur absurden Unterstellung, der Verein sei nur Strohmannschaft für eine ominöse Gruppe von Stunkmachern mit bösen Absichten, war alles vertreten. Eine Fangemeinde, die einheitlich hinter uns steht oder sich ins Projekt einreihen will, hatten wir nicht erhofft. Ein gewisses Vertrauen, durch den direkten Kontakt
und vor allem die Kontrolle durchs AföO, der wir uns nachweislich unterzogen hatten, irgendwie schon.
Mit dem darauf folgenden Gespräch beim Amt für öffentliche Ordnung sollten alle Vorbereitungen für den Mietvertrag abgeschlossen werden. Da das AföO mit dem Bericht über das Nachbarschaftstreffen zufrieden schien und auch das Nutzungskonzept keine Lücken mehr hatte, wägten wir uns nach dem langen Weg in Sicherheit, die Räume um den 1. Mai 2016 zu übernehmen. Von der Stadtbau hörten wir dann erst wieder Mitte Mai. Man lud uns zu einer erneuten Sitzung im Juni ein.
Eine bei dem wir unser Vorhaben nochmal vor einer ganz speziellen Gruppe rechtfertigen sollten. Verschiedene InteressenvertreterInnen, sowohl aus der Nachbarschaft als auch vom Lokalverein Innenstadt, forcierten nochmal ihre resistenten Bedenken, auf die wir eigentlich längst reagiert hatten. Alles wurde in die Waagschale geworfen, um den eigentlich zu dem Zeitpunkt überfälligen Mietvertrag zwischen SAL und FSB zu
unterbinden.
Geschlagene drei weitere Monate ließ sich die Stadtbau Zeit, um uns dann einsilbig abzusagen. Warum?
Uns bleibt als zweitbeste Lösung nur, auf einen noch langen Fortbestand des Interym/Kyosk zu hoffen. Denn der Raum wie er ist, bleibt auch ohne große Veränderung einer, der für viele FreiburgerInnen, jung und alt, aus dem Viertel und auch woanders her, eine Bereicherung und einen unkommerziellen Treffpunkt in der nahen Innenstadt bildet.
Was wir jetzt machen steht noch zur Diskussion. Mittwochs jedenfalls sind ab jetzt immer Leute im Interym/Kyosk anwesend, die informieren und sich über die Zukunft des Raumes Gedanken machen wollen.
Kommt vorbei und lasst uns gemeinsam überlegen, wie der dortige Raum vor weiterer Kommerzialisierung bewahrt werden kann und wie wir für ein solidarisches nachbarschaftliches Miteinander in Freiburg kämpfen
können.
SAL e.V.